NORDEN - the nordic arts festival

Vytenė Muschick - Litauen Literatur Special

Aber der Himmel, grandios – von Dalia Grinkevičiūtė

Nach der Annektion Litauens 1941 wird die 14-jährige Dalia Grinkevičiūtė zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder von den Sowjets nach Sibirien deportiert. Ihre Jugendjahre verbringt sie in der Verbannung im Altai Gebiet und in der Arktis. Mit 21 Jahren gelingt Grinkevičiūtė die Flucht. Zurück in Litauen schreibt sie ihre Erinnerungen an die Verbannung in großer Eile auf lose Blätter und vergräbt sie aus Angst vor der Entdeckung durch den KGB in einem Einweckglas im Garten ihres Elternhauses. Kurz darauf wird sie vom KGB verhaftet und erneut deportiert. Nach ihrer Entlassung bleiben die Erinnerungen verschollen, erst nach Dalia Grinkevičiūtės Tod werden sie wie durch ein Wunder 1991 gefunden. Die Aufzeichnungen sind eines der wichtigsten Dokumente der litauischen Geschichte – erschütternd, eindrucksvoll und sprachgewaltig.  

»In unserer Eishöhle bin ich mit Wesen zusammen, die früher einmal Menschen waren. Die früher einmal gelacht haben, geflirtet, die andere besuchten, selber Gäste empfingen, […]. Jetzt schweigen sie. Sie existieren nicht mehr. Sie wurden am 14. Juni vernichtet und liegen jetzt als halbtote Gestalten in Baracke Nr. 13.« (aus: »Aber der Himmel, grandios«)

Die Übersetzerin Herausgeberin Vytenė Muschick, die Dalia Grinkevičiūtė noch persönlich im Haus ihrer Tante kennengelernt hat, stellt das Buch »Aber der Himmel, grandios« (Matthes & Seitz Berlin) im Gespräch mit der litauischen Kulturattachée Rasa Balčikonytė vor. Dalia Grinkevičiūtė verstarb 1987 in Kaunas, Litauen. Friederike Kenneweg begleitet die Lesung mit Stimme, Akkordeon und Geräuschen.


Wird freundlich unterstützt von: Botschaft der Republik Litauen, Lithunian Culture Institute und Kaunas2022.
Vytenė Muschick - Litauen Literatur Special