NORDEN - the nordic arts festival

Niels Frevert

Red‘ nicht von Liebe, von Wahnsinn oder Schmerz. Lebe und fühle, aber plapper nicht darüber. So könnte die Prämisse lauten für das Schaffen von Niels Frevert, dessen Lieder eigentlich von allem handeln, was das Leben großartig und grausam macht, ohne dafür Pop-Superlativ-Phrasen abzuspulen. Große Momente brauchen keine großen Gesten, sie füllen auch so den Raum. Wenn sie denn wahr sind.

Das neue Album „Paradies der gefälschten Dinge” ist voll von diesen wahren Momenten, die den Hörer überraschen und überwältigen – eben weil sie sich nicht mit der üblichen Emotionalisierungsrhetorik ankündigen. Weil die Songs oft über den Umweg der Lüge und des Selbstbetrugs ins Innerste der Wahrheit vorstoßen. Und weil sie aus dem Alltag und seiner Sprache direkt in den Abgrund und seinem Schrecken führen.

Man höre nur das Lied „Muscheln“, das zu einer warmen Tremolo-Gitarre erzählt, wie jemand Muscheln kauft und sich vom Verkäufer den Rat geben lässt: „Lassen sie die Tasche offen, damit die Tiere bekommen.“ Dann verunglückt der Muschelkäufer mit dem Fahrrad, die Schalentiere liegen verstreut auf der Straße und, jawohl: haben Luft. Frevert singt derweil: „Und vom Himmel her seufzten die Geigen“. Der Ich- Erzähler liegt nach dem Unfall im Krankenhaus und muss künstlich beatmet werden. Ein Pop-Song, erzählt aus dem Koma. Ja, das geht. Zumindest bei Niels Frevert.

Niels Frevert